Predigt Susanne Zingel - Goldene Konfirmation

31. August 2014

Gnade sei mit euch und Friede von dem der da war, der da ist und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde, liebe goldenen Konfirmanden,

drei Pastoren treffen sich beim Pfarrkonvent und reden über dies, was gut gelingt und über Schwierigkeiten und die drei stellen fest: Alle drei haben Probleme mit Fledermäusen in ihrem Turm und fragen, was man denn da wohl machen könnte. Der erste sagt: „Oh, wir haben alles ausprobiert, wir haben gehört, die sind so geruchsempflindlich, wir haben da drinne versprüht Duftspray, Haarspray – sind geblieben, immer wieder gekommen. Ja also ein anderer sagt „Es ist wirklich eine Plage, ich hab den Küster hochgeschickt, ich hab gehört die sind so geräuschempfindlich und der Küster, also zum Schluss, der hat da mit einem Luftgewehr rumgeschossen, waren sie auch mal kurz, alle wiedergekommen. Sagt der andere: Da weiß ich ein besseres Mittel. Ich bin hochgegangen, hab sie konfirmiert und weg waren sie.

(Lachen)

Ihr liebe Goldkonfirmanden, ihr habt auch geschaut, wie haben die schönen Bilder von euren Konfirmationen, die ganze Gruppen, die ganzen namen, Frau Callesen-Sorhagen, Sie haben sich so viel liebe Mühe gemacht und wirklich: Wir haben alle gefunden. Alle. Also, nicht dass man verheiratet und weggezogen, nein nein nein. Wir hatten wunderbare Unterstützung, auch Ämter, die eigentlich verschwiegener sein sollten, haben uns bereitwillig Auskunft gegeben, weil sie wissen jeder freut sich, wenn er so wiedergefunden wird. Viele sind nicht gekommen. Ich hab gesagt: Ja wo sind die denn? Aber ihr seid da. Und gleichzeitig erinnert ihr euch an die Konfirandenzeit. Das war eine strenge Zeit. Ganz anders als heute. Und heute lacht ihr, wenn ihr erzählt, ja 24 mal in einem jahr zur Kirche. Das macht 48 Mal bis man konfirmiert wird. Das ist ne menge. Und die meisten in euerm, Ihren Alter werden das bestätigen, Konfirmanden sammeln heute andere Punkte. Und weniger. Ihr habt erzählt, wieviel ihr gelernt habt. Auswenig. Und wie pastor Kehler eine Respektperson war. Wie es manchmal so war, hatte viel zu tun, abgekämpft nach Tinnum in die Schule zum Unterricht, begrüßte euch und musste schon wieder weiter. Trotzdem war die Begegnung mit ihm ein Ereignis, eine Autoritätsperson. Und ihr erzählt auch, nach einer Konfirmation, ersteinmal weite und eigene Wege. Für manchen ist es wirklich so oder die meisten können erzählen, die Intensität der Konfirmandenzeit war eine ganz besondere Zeit und man war auch froh, wenn man nicht mehr zum Stempelabholen kommen musste. Oder man war froh, wenn man keine Tricks mehr anwenden musste „Die sitzen alle da hinten, ich hab hier lauter Konferkarten“ und dann bekam man einen Stempel auch, wenn man anderen Dingen nachging, aber das hat den Zusammenhalt in eurer Gruppe gestärkt.

Eine strenge Zeit und jugendlich gab es danach viel anderes zu entdecken. Und auch die Lebenswege vielfältig und ganz verschieden, aber der Segen ist geblieben. Nicht nur als Erinnerung, sondern als immer neue Vergegenwärtigung. Ein ganzes leben, ein Lebenslauf, Geschichten erzählt. Viele hier sichgefunden und dann nocheinmal hier sich getraut, hier ja gesagt, noch einmal gesagt: „Ja, mit Gottes Hilfe.“ Kinder getauft und wieder gesagt: „Ja, mit Gottes Hilfe.“ Und Gottes Segen ist geblieben, weil Gottes Treue ist unverbrüchlich, was wir auch tun. Und da gibt es viel zu erzählen, dass ein goldener Segen sich hineinwebt in euer Leben, ganz oft über lange Zeiten unmelrkich in dem, was wir tun. Ihr erzählt: Verantwortung übernommen, viel gearbeitet, Dinge aufgebaut, einen Betrieb geleitet, ein gastliches haus geführt und noch geführt. Viele Gäste begrüßt und die Zeit hier auf Sylt ihnen zur oase in einem eigenen Leben geschenkt.

Zwei Kirchenvorsteher haben gestern Abend erzählt, im Kirchenchor wurde gesungen oder Geschichten, Volker Andersen, Sylter Werkstätten gerade eingeweiht in dieser Woche, das braucht menschen wie Sie, die sich auf dieser Insel engagieren. Ihr seid ein Segen wurde euch geagt in der Konfirmation und ihr sollt ein Segen bleiben. Segen, das sind gut Wünsche. Das sind das, was wir Menschen mitgeben können. Damals eure Eltern, Paten, Großeltern. Alle guten Wünsche haben euch begleitet hinein in deises Leben. Und das ist eine wirkliche Kraft, wenn du etwas wirklich willst von ganzem herzen mit ganzer Seele, ganz offen und diesen Wunsch mit anderen teilst, wird es sich nicht alles genauso erfüllen, wie du es dir vorstellst, aber du bist gesegnet durch die menschen, die dich umgeben. Und die Antwort auf Menschen, die so offen und voller Vertrauen ihr Leben öffnen, da strömt Gottes Geist und Gottes Güte ein. Oft anders als wir denken, manchmal ohne, dass wir es spüren, aber es ist da. Und Gottes Segen ist wie das Licht und die Klarheit des allerersten tages als Gott die Welt erschuf. Da sprach er: Es werde Licht  und es ward Licht. Und das Licht war sehr gut es ward Abend und Morgen der erste Tag. Und in deises Licht hinein schuf Gott alles, was da ist und segnete es. Symbolisch gesprochen, er stellt es ins Licht und die Klarheit des allerersten tages, das Aufgehen bevor er schuf Sonne, Mond und Sterne. Weil Gott aus sich leuchtet und in sich Klarheit ist. In dieses Licht, immer wieder einzutreten, lädt diese alte kirche ein. Der Kronleuchter erleuchtet und in unserer Kirche, die nicht strotzt vor Prunk und Pracht,  ist doch der Altar ganz golden, vergoldet, auf dass sich das Licht darin spiegelt. Es gehört Menschen dazu, die hierher kommen, die sich enladen lassen, zum Gottesdienst kommen. Goldene Konfirmanden, die dabei sind. Es gehört auch ein Küster dazu, der bevor ihr in die Kirche kommt, die Kerzen entzündet. Das Gold ist da, so wie die Güte Gottes all überall da ist. Aber ihre Leuchtkraft zu entfalten braucht sie unser Mitwirken. Im Altar beschrieben, das was wirklich bleibt „Ewig schattenloses, abendloses Licht – fällt auf maria. Mit ihrem kindlein. Die Mutter, die den kleinen Christus ins Leben hineinführt, steht sie für ein Leben uns geschenkt, hineingeboren in diese Welt, am allerersten Anfang, wir alle ganz zart, klein und verletzlich. Bleiben wir es in unserem Innersten ein ganzes Leben lang. Und daneben Gottvater, der auferstehend Christus ins ewige Leben hineinführt. Neben der Mutter Gottvater, ein Leben geschenkt, das nicht vergeht. Und Bisschoff Severin, der Lauschende. Er steht da, freut sich über jeden Moment, der Stille, gerade wenn Menschen sich hier in der Kirche versammeln, gewinnt die Stille eine ganz andere Intensität als wenn einfach keiner da ist, aber auch dann steht er da und lauscht. Der bischoff, der hören konnte, die Botschaften zwischen himmel und Erde offen für Gottes Geist, lädt uns ein mit dem herzen zu hören, mit den Ohren zu lauschen, was Gottes immer ewig Botschaft hin zum Himmelreich und doch täglich neu für uns ist.

„Ja,, ich will, mit Gottes Hilfe.“ So habt ihr es versprochen und so steht ihr auf keinem festen Standpunkt, das ist keine feste Position. Sondern wie im Fluss des Lebens sich alles bewegt oder im Speil der Gewalten alles verändert, geht es darum in seinem Leben immer neu innezuhalten, Ausschau zu halten nach Licht und Klarheit, nach innen und nach außen zu lauschen, was Gott uns sagen will.

Ihr könnt erzählen von Glück und Segen, von Bewahrung in Krisen, von Tränen und Schicksal, von Segen der Liebe, von Kindern und Kindeskindern, von Freunden und freundschaft. So zu erzählen ist ein inneres Lauschen. Einer erzählt und bei dem anderen wird etwas wach. Und so sind wir unterwegs als eine Gemeinde Jesu Christi, eine große Gemeinschaft, die erzählt von den Wundern Gottes aber auch von ihrem eigenen Leben. Wie es sich damit verbündet, wie es damit verpflochten ist. Ihr erzählt und – fast schmunzelnd, denn viel wird gelacht – schmunzelnd und ganz leiste kann man darin sagen, weise seid ihr dabei geworden. Jeder weise auf eigenen Weise. Und je älter wir werden, wächst Weisheit in uns, was wirklich wichtig ist. Nicht jedem wächst die Kraft zu, das dann auch zu leben. Aber jeder ist gesegnet mit einem Leben, was uns helfen kann herauszufinden, dass es wirklich so ist, dass die Liebe das Größte ist in unserem Leben. Dass das was uns in Glauben hält und trägt wirklich das Beständigste ist und dass eine Hoffnung über uns hinaus auf ein Himmelreich auf Erden und in Ewigkeit unser Leben weit macht.

Die Erfahrungen des Lebens lassen uns reifen, haben euch reifen lassen uns beschenkt mit Weisheit, die weiter wachsen will. Und deises goldene Fest mag euch darin anregen und Lust machen, dass das ein Glück ist. Weisheit erkennt man daran, wahre Weisheit. Wenn die Weisheit spricht, dann freuen sich alle. Dann regt es andere an auch zu erzählen von dem, was in ihrem Leben gut ist oder wichtig und andere, die hören, die jüngeren. Letzten Sonntag haben wir die neuen Konfirmanden heir vorgestellt. Fast genauso viele wie ihr jetzt seid hier. Die jüngeren hörn zu. Ratschläge, die mag niemand, weil in jedem Ratschlag auch ein schlagendes Argument ist. Das kann einen vielleicht überzeugen, ist aber eine sehr schwere Sache. Dann diskutiert lieber. Hin und her. Aber wenn die Weisheit spricht, dann hören Kinder zu und merken es sich für ein Leben. Junge sagen vielleicht nur „Hm“ und bewegen es doch weiter in ihrem Herzen. Und je älter wir werden, umso mehr kann es uns halt und Trost geben.

Vorne am Altar stehen nicht nur maria, Gottvater und Bischoff Severin, da stehen auch die Apostel, zwölf an der Zahl stehen sie rechts und links, in goldenem Licht. Jeder von ihnen, am bekanntesten ist Petrus mit seinem Schlüssel, mit dem er das Himmelreich auf- oder zuschließt, aber selbst Petrus hat seien Schlüssel verloren. So alt ist unser Altar. Man kann rätseln und fragen wie die Attribute den Aposteln abhanden gekommen sind. Man kann sich erinnern unser Altar ist von 1480, da kann man schon mal etwas verlieren. Der Heilige Geist als Taube schwebte da auch einmal, der ist abhanden gekommen, schwebt jetzt mehr frei im Raum, so kann man sich das vorstellen.

Manche der Apostel haben ihr Attribut behalten, zum Beispiel Andreas. Das Andreaskreuz, wir kennen es von Bahnübergängen, das schräggekreuzte Kreuz. Der legende nach wurde er an so einem Kreuz zum Märtyrer. Johannes hält noch den Kelch in der Hand, alle halten noch die Bibel in der Hand, die kann dir, das Wort Gottes kann dir keiner nehmen. Aber eins auch noch: dies hier Pastorin hält Jakobsmuschel hoch) kann man finden. Gehört jakobus. Jakobus gab dieser Muschel den namen, es ist die Jakobsmuschel. Denn sie findet sich am Atlantik, im Norden von Spanien, „Fines terra“- das Ende der Welt, war es das Zeichen der Pilger. Der Legende nach hat jakobus einen ertrinkenden Ritter gerettet, er war im meer schon gestorben, tauchte aber lebendig wieder auf und hielt die Muschel in der Hand. Die Legende.

Tradition ist es wohl geworden weil aus der hohlen Hand kannst du kein Wasser schöpfen. Die Muschel mitgenommen kannst du zu einem Trinkgefäß verwandeln. Ein leichtes Gepäck, damit unterwegs zu schöpfen, aus den Quellen zu trinken und symbolisch von den Quellen Gottes Güte zu schöpfen. Die jakobus-Muschel, so ene haben wir für jeden von euch, mit dem 31.8.2014 golden beschriftet, euch mitzugeben, euch daran zu erinnern. Ist denn die Muschel nämlich so ein vielfältiges Symbol. Auf dem jakobusweg, jakobsweg, findet es sich an jeder Wegkreuzung und der jakobsweg beginnt hier im Norden, führt einen hin zu Kreuzungspunkten und so wie auch auf dieser Muschel, viele Wege sich treffen in einer Mitte, so finden alle unsere Wege ihr Ziel in Gott. Und so wie aus einer Quelle viele Sonnenstrahlen ausstrahlen und alles erfüllen so geht tausendfältig und doch aus einer Quelle Segen uns zu.. Dazu stteht die Muschel für die verletzliche Seite in uns, von dem Symbol, das ihr überreicht bekommt, nur noch die äußere Schale, steht sie auch für das, was unserem Leben äußeren halt gibt. Dahin gehört eine verletzliche, sehr verletzliche Innenseite, wie eine Muschel, die sich öffnet und schließt. Ist unser Herz, unsere Seele, die alles, was wir sind, behütet. Und nicht vergisst. Es wandert vielleicht ganz ganz tief ab in unbewusste, unterbewusste Schichten und doch ist es da.

Eine Erfahrung des Älterwerden ist ja, dass wir mit dem Älterwerden nicht immer stärker werden. Sondern dünnhäutiger. Das Verletzliche in uns wird wieder deutlicher, Krankheiten treffen uns ganz anders als in jüngeren Jahren. Gleichzeitig können geistigere innere Kräfte neue Kraft gewinnen. Nicht mehr so viel schaffen wie früher, nicht mehr so viel müssen wie früher, kann offene neue Räume eröffnen. Erinnerungen werden wacher als früher und das ist ein Segen. Vor allem nicht zurückgewandt, sondern offen nach Vorn. Erinnern, was wirklich bleibt, klarer zu fassen, was kostbar ist, was bleibende Qualität hat.

Das Wort Gottes behalten die Apostel in der Hand, ein kreuz, ein Kelch, eine Muschel. Die Muschel sagt uns: Wie alt wir auch werden, niemals bist du im Ziel. Zeit aus Gottes Fülle ist uns geschenkt und niemand von uns weiß, wieviel. Aber jeder Augenblick kann sich verwandeln durch Gottes Güte in ein Augenblick der Gnade.

Solche Momente der Gnade mögen euch segnen vielfältig. Gestern Abend war so ein gefüllter Abend, heute so ein Festtag. Gestern wurde gesagt: „In fünf jahren treffen wir uns doch schon mal wieder.“ Diese Gruppe hat auch 35. Konfirmation gefeiert. Also warum nicht die Bögen kleiner und feiner ziehen? Sich überlegen, was kann man denn sonst noch miteinander tun? Sich anregen lassen. Unterwegs, wenn ihr die trefft, die heute nicht dabei waren, könnt ihr erzählen: Es ist ein Glück dazu zu kommen. Die Gegenwart Gottes zu feiern und sehen, was da kommt, wo der Friede Gottes höher als alle  Vernunft uns mit allem, was wir sind ganz und gar umfängt, behütet und segnet in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen

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