Predigt Susanne Zingel - Erntedank

05. Oktober 2014

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt. Amen

Liebe Gemeinde,

Dankbarkeit verbindet uns mit Gott, der da ist Anfang und Ende. Dankbar können wir sein am Ende eines Jahres, nach einer Ernte, wir schauen auf Güter und Gaben. Danken. Danken ist aber nicht nur der Abschluss, sondern genauso das Tor, das uns den Weg zum Leben öffnet. Immer wieder neu. Nicht nur der Abschluss, sondern auch der Anfang. Alles verändert sich, wenn wir hineinwachsen in eine Kultur der Dankbarkeit und der Wertschätzung. So lasst und beginnen mit einer Ode an das „Danke“.

„Dank an das Wort, das Dank sagt. Dank an das Danke, weil das Wort Schnee schmilzt oder auch Eisen. Bedrohlich sah die Welt aus, solange nicht das „Danke“ mild wie eine helle Feder oder süß wie ein Blütenblatt aus Zucker von Lippe zu Lippe sprang. Mal groß aus vollem Mund, mal kaum hörbar geflüstert, so war das Wesen wie der Mensch, so fiel ein wenig Licht in den Wald und unter den Bäumen ließ es sich singen. Natürlich kannst du, ein Wort nur, „Danke“, nicht alles ausfüllen, aber wo du hereinwehst, kleines Blütenblatt, werden die Dolche des Stolzes weggesteckt und zum Vorschein kommt für einen Cent Lächeln.“

Eine Ode an das „Danke“. Pablo Neruda hat sie gedichtet. Zu verweilen bei dem Moment, ihm dankbar Aufmerksamkeit zu schenken, bis für einen Cent ein Lächeln hervorkommt. So still und leise, wie es vorhin wurde, wenn wir uns besinnen auf uns selbst. Wo beginnt dein Erntedankfest? Wo sagst du heute von ganzem Herzen „Danke“? Dass dies so ist, dass du da bist, dass ich da bin. Ganz still und leise, dass aufgeht ein Lächeln, das wirklich von innen kommt, aus deinem Herzen, aus deiner Seele. Mal kaum hörbar geflüstert und mal lachend, aus ganzem Herzen, so dass es jeder hören kann.

Dankbarkeit, sich hineinfinden in ein dankbares Leben ist nichts für nur ein Fest und einen Tag, sondern es ist unsere Berufung für ein ganzes langes Leben lang. Dankbarkeit hilft uns zu leben im Gleichgewicht, in der Balance. Dass wir in der Spannung von zu viel und zu wenig – was auch immer das sei. Von dem Landwirt, der schaut auf zu viel Sonne und zu wenig Regen oder zu viel Regen und zu wenig Sonne, hin zu uns von zu viel Arbeit und zu wenig Zeit, zu viele Verpflichtungen, zu viele Sorgen zu wenig Geduld. Wir in der Spannung zwischen Ohnmachtsgefühl und Allmachtsphantasien. Dass wir uns darin finden – als kleine Menschen, die doch berufen sind - und es können - die Welt zu verändern und ihr ein menschliches Gesicht zu geben, weil wir aus einer Kraft schöpfen, die unwiderstehlich ist, in der alles gut ist und ganz.  Eine Kraft, die das Leben heil macht und hell.

Dankbarkeit ist eine Kunst. Mit Kindern üben wir es, wir erinnern sie: „Sag, danke schön.“ Wir schicken sie damit vielleicht aber auch auf den falschen Weg, als wäre es so, dass wir uns ab und an bedanken müssen. Als wäre es nicht unsere Berufung, fortwährend hineinzuwachsen in eine Dankbarkeit, die in dir wächst, wie ein Samenkorn, das in dir angelegt ist und wächst und wächst. „Wenn du Glauben hast wie ein Senfkorn, du kannst die Welt verwandeln.“

Dankbarkeit ist etwas, das in dir Wurzeln schlagen kann und über dich hinauswächst..

Danken kommt von nachdenken, sich Gedanken machen. Und allein in dem Wort, dass wir nachdenken, merkt man, wir schauen immer hinterher. Wir folgen der Fülle und sind berufen hineinzuwachsen ins Staunen. Wir können anfangen und schmücken den Altar, am liebsten mit Kindern. Sie kommen und bringen Früchte, tragen einen Kürbis. Sie nehmen es in die Hand. Und wir können staunen, wenn wir uns darauf besinnen. Das hat die Erde hervorgebracht, das ist daraus gewachsen.

Die Luft, die wir atmen, verbindet uns, die Erde, die uns trägt. Es ist ein Wunder, dass wir leben von den Elementen. Jede Zelle in deinem Körper weiß, was sie damit anfangen kann, mit Eiweiß, Fett und Kohlehydraten. Jede Zelle von Billionen Zellen deines Körpers weiß, was sie damit tut. So fein ist alles aufeinander abgestimmt, füreinander vorbereitet. Berufen, sich zu verwandeln in Leben und immer neue Kraft.

Dankbarkeit kommt von Denken, Nachdenken. Wir können uns vorstellen, wir können darüber nachdenken, dass wir auf einem kleinen, blauen Planeten unterwegs sind in einem Kosmos. Forscher können berechnen. Aber wer kann es fassen, wirklich fassen, dass wir uns drehen um uns selbst und kreisen um die Sonne und ziehen eine Bahn durch Sonnensysteme. Und das tun wir in einem für uns lebensfeindlichen Kosmos: ohne Sauerstoff, ohne Wasser. Aber hier auf Erden ein Paradies. Verglichen mit der Kälte des Kosmos. Fülle von Leben, unglaublich. Und: alles ergänzt sich.

Da hinein zu wachsen, sich darin zu üben, ist unsere Berufung. Und die ist ganz schlicht und ganz einfach:

Aus einem Erdbeerparadies – allein schon der Name ist wunderbar - und alle Sylter wissen, wo das in Braderup zu finden ist, aus dem Erdbeerparadies haben wir alles bekommen, was man für ein Erntedankbuffet braucht. Frauen treffen sich und kochen und backen, erzählen, kaufen noch mehr Olivenöl und reden. Und in dem wir das tun, wächst Freundschaft, Verbindung, Vertrauen. Wir haben Zeit, wir widmen der Vorbereitung Zeit und freuen uns auf Gäste, die morgen kommen, also heute, also Ihr. Wir bereiten ein Erntedankbuffet vor mit den Gaben, die die Erde hervorbringt. Und indem wir das tun, ganz schlicht und einfach, üben wir uns in einer Kultur der Wertschätzung, der Dankbarkeit.

Die Sorgen, die uns das Leben schwer machen, die kommen von allein zu dir. Martin Luther hat einmal gesagt: „Du kannst nichts dafür, dass die Vögel über deinen Kopf fliegen, aber du kannst etwas dafür, dass sie in deinem Kopf Nester bauen, dass sich die Sorgen bei dir beheimaten.“ „Schaut, die Vögel unter dem Himmel, wie sie da sind ganz frei und ihr himmlischer Vater erhält sie doch.

Sorgen kommen allein zu uns. Dankbarkeit, die braucht eine Wertschätzung, eine Kultur. Die braucht einen anderen, der dich daran erinnert, es mit dir übt, dass du immer weiter reifst und wächst, vom Kind zum Erwachsenen.

Dankbarkeit braucht ein Gegenüber – Mensch zu Mensch. Und wenn du weiter wächst hinein in kosmisches Bewusstsein, mit Herz und Seele und Geist brauchst du ein Gegenüber, einen Schöpfer, einen gütigen Gott, einen Grund, warum alles da ist, was da ist. Und du wirst spüren, dass Dank nicht ins Leere geht, sondern dass Segen und Liebe und Güte in Fülle dir antworten. Dankbarkeit ist nicht die Lösung für alle Konflikte dieser zerrissenen Welt, aber Dankbarkeit ist der Anfang, dass Christus spricht „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Keine dogmatischen Richtigkeiten, sondern eine Offenheit des Herzens, eine Seele, die staunen und sich freuen kann, die sich verbündet immer mehr und immer mehr bis der Dank zum Himmel steigt und du spürst, dass der Friede Gottes, der höher ist, als alle Vernunft, dich bewahrt mit Herz und Seele, mit allem was atmet und lebt in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

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