Predigt Pastorin Zingel

18. August 2013

Friede sei mit euch und Gnade von dem, der da war, der da ist und der da kommen wird. Amen.

Liebe Gemeinde,

noch einmal den Text von dem Lied, das wir gerade gesungen haben. „Nun sich das Herz von allem löste, was es an Glück und Gut umschließt, komm, tröste heilger Geist und tröste, der du aus Gottes Herzen fließt. Nun sich das Herz in alles findet was sich an Schwerem auferlegt, kommt Heiland der uns mild verbindet die Wunden heilt, uns trägt und pflegt. Nun sich das Herz zu dir erhoben und nur von dir gehalten weiß, bleib bei uns Vater und zum Loben wird unser Klagen, dir sei Preis.“ Das ist ein bewegender Text von Jochen Klepper und eine Auslegung zu unserer Geschichte vom reichen Jüngling, loszulassen. „Nun sich das Herz von alles löste, was es an Glück und gute umschließt“, er vermag es nicht und geht traurig davon, geht dorthin wo wir uns eigentlich alle befinden und aufhalten. Schaue herum und vermute, dass niemand von uns all sein Hab, alles was er ist verkauft hat. Es zu geben für einen Schatz im Himmelreich und davon geht. Wir leben in der Spannung unser Leben einzurichten auf stabile Füße zu stellen, ein Fundament und gleichzeitig offen zu bleiben für den Himmel. Für die Bestimmung unseres Lebens, für die Berufung Christus nachzufolgen. Gott soll allein mein Herze haben, wie lässt sich das Leben? Schon allein an dem Umgang mit dem Text von  Jochen Klepper sieht man wie schwer das ist. Unser Bemühen zu ordnen und zu sortieren hat dazu geführt, dass die Kirchengesangbuchmenschen es unter Sterben und ewiges Leben eingeordnet haben. Und  ich frage mal herum, hat jemand das Lied vorher, kennt es jemand oder hat es jemand? Wer hat das Gefühlt gehabt, das Lied zum ersten Mal zu singen? Wollen wir mal sehen. (Pause) Das sind viele. Der Chor, ihr kanntet das alle, super. (Lachen). Aber sonst sieht man, es sind viele und das ist ein unbekanntes Lied und das ist so ein schöner Text auf eine singbare Melodie. Und das kommt alleine daher, dass es im Gesangbuch unter Sterben und Ewigkeit eingeordnet ist. Und ich muss euch sagen, ich hab mir auch überlegt, an einem schönen Sonntag, mitten im Jahr schlagen wir das Kapitel auf. Was kommt dabei rüber? So ein schöner Text, weil er ist, Jochen Klepper hat den ganz bestimmt nicht geschrieben, für diese Engführung. Sondern er hat es geschrieben um sich  zu verordnen an einer Stelle wo wir wirklich frei werden und Glauben wachsen kann. Und es hat immer damit zu tun, mit einem Loslassen. „Gott soll allein mein Herze haben“, klingt leicht, wie verliebte. Und lässt einen schweben. Und so viel Zeit auf dein Leben, wie du leicht im Leben geschwebt bist, so leicht ist aus Liebe auch diese Zeit, in der der Glaube so leicht zu leben ist. Das andere ist oft ein schwerer Weg, hat mich loslassen zu tun, mit bitterer Einsicht, mit Mut, Demut und dann immer wieder neuem Stolz und Freiheit. Es ist gedichtet für den Jüngling auf der Schwelle. Komm, lass alles sein du  spürt es selbst, bei mir bist du der, der du sein kannst und willst sagt Jesus  zu dem Jüngling. Und traurig geht er davon. Und wir wissen nicht was aus ihm geworden ist. Eine bewegende Geschichte, zwölf Jünger gehen mit Jesus mit, dies war auch ein Berufene, ein Jünger hätte es werden können. Er wird weiter gelebt haben und ich bin sicher, dieser Impuls wird sein ganzes Leben begleitet haben und auf seine Weise wird er, wie wir auch Jünger, Nachfolger geblieben sein. Seine Geschichte geht verloren aber, dass  Gott größeres mit uns vor hat und wir es leben können, oder könnten, dass unser Herz weiter ist, unsere Sehnsucht größer als das, was in unserem Leben Platz hat. Dass das was wir fühlen über uns hinausweist, damit wir er weiter gegangen sein. Er wird für alle Zeit gespürt habe, es reicht nicht alles richtig zu machen, die Gebote zu halten. Es reicht nicht erfolgreich zu sein, das ist nicht genug. Da bleibt etwas offen und klopft an unsere innere Tür, dass wir sie öffnen mögen. Wir selbst stehen auch immer wieder an der Stelle, wir bleiben immer wieder hinter unseren Möglichkeiten zurück. Gehen auf tausend verschiedene Variationen damit um. Meistens überfordern wir uns, unsere Kräfte oder andere. Oder wir drehen uns einfach um tun, als wär da keine Tür. Verharren in gewohntem. Dann werden wir leicht unglücklich oder wir werden fromm und demütig. Indem wir da einfach mal verharren und es aushalten, dass wir diese Spannung in unserem Leben nicht einfach auflösen können. Weil nicht wir es sind, die unser Leben in der Hand haben und auch nicht wir es sind, die darin absolut Regie führen. Fromm und demütig zu werden an einer Grenze und nachdenklich. Denn es gibt immer wieder eine Grenze in unserem Leben, da können wir nicht aus eigener Kraft hinüber, denn da kommen wir mit Gottes Ewigkeit in Berührung. Gott allein ist ewig. Wir können nicht fassen, was das wirklich ist und doch hat und Gott Herz und Seele gegeben, dass wir es ahnen können, für Augenblicke spüren und manchmal sogar leben können.

Ich glaube, dass einfachste Elementarste, was uns darin verbindet ist, dass wir uns hier immer wieder einfinden und weite Wege in Kauf nehmen, um hierher zu kommen ans Meer. Weil hier am Meer haben wir ein Gefühl dafür, was es heißen kann, los zu lassen. „Laufen am Strand entlang, Ebbe und Flut, und immer wieder gleich und ewige Bewegung und was die Flut bringt, das nimmt die Ebbe wieder mit. Wenn man ans Meer kommt, soll man zu Schweigen beginnen; bei dem letzten Grashalm soll man den Faden verlieren, und den Salzschaum und das scharfe Zischen des Windes einatmen und ausatmen und wieder einatmen. Wenn man den Sand sägen hört und das Schlürfen der kleinen Steine in langen Wellen, soll man aufhören zu sollen und nichts mehr wollen. Wollen nur Meer, nur Meer“.  So hat das Erich Fried in Worte gefasst, was jeder Mensch intuitiv spürt und was ihn bewegt bei einer Strandwanderung und die Sehnsucht danach, diese Leichtigkeit, die Klarheit, auch den Abstand zu halten, souverän, und so unterwegs zu sein im eigenen Leben. Wo das Überflüssige weggenommen wird, und nicht je immer wieder vor die Füße gespült wird, und auch bleibt, was echt ist und worauf wir bauen können.

Geh‘ hin und verkaufe alles, was du hast – nicht um eine gute Tat zu tun, nicht um andere zu beeindrucken, nicht um die Welt zu retten und allen Hunger in der Welt zu stillen, sondern für dich, um frei zu sein, souverän. Aus freien Stücken verzichten können, um anderes zu leben. Wir kennen solchen Momente von Freiheit, wo etwas uns anrührt, da weißt du, dafür wär ich bereit alles zu geben und wer ist mein Leben.

Und gleichzeitig müssen wir das herunterbrechen, täglich neu.

Sie haben alle ein Bild von Regine Lischka in der Hand: „Mein Herz, Gott soll allein mein Herze haben“. Regine Lischka, eine Künstlerin, eine Dichterin, eine Zeichnerin, sie hält ‚Mini-Momente‘ fest und nennt es auch ‚Grafik-Miniaturen‘, ganz klein und Federstrich zart. Es wird deutlich, dass ein winziger Augenblick, ein Nu, festgehalten wird und auch nicht ganz lange, nicht tagelang in Öl, sondern mit feinen zarten Strichen in wenigen Stunden, erinnert und festgehalten wird.

Lobet den Herrn meine Seele, vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Wenn man das Glück hat mit Regine Lischka, ihre Texte und Bilder zu betrachten, dann spürt man diese Kraft und den Glauben und die Gewissheit, dass es gut ist, kostbare Momente nicht zu konservieren, sondern so in Kunst zu transformieren, dass man sie jederzeit wieder abrufen kann.

Regine Lischka hat dieses Bild gemalt, da war sie in einem Konzert, der Chor hat gesungen. Also, Sie, ihr da oben, unser Chor, hat mitgestaltet an diesem Bild. Und als sie dann hinausgingen und nach der Bach-Kantate „Gott soll allein mein Herze haben“ vor der Tür standen, da klang es in ihnen weiter nach. Die Kirche, in der einem das Herz aufgeht, wo man sich erinnert, den Spaziergang, den man am Tag gemacht hat, den Leuchtturm noch vor Augen, Orientierung im eigenen Leben, wo man Abstand gewinnt zu allem, was da ist, auch zu dieser Insel. Ich bin hier und erlebe aber etwas, was weit darüber hinaus greift.

Danke dem Herrn, der dein Leben vom Verderben erlöst und krönet dich mit Gnade und Barmherzigkeit. Diese Krone wird dir aufgesetzt, königlich, stolz und demütiglich zugleich, das alles ist festgehalten in diesem Bild. Auf dass es uns Mut macht, im Maß unserer Begabung mit dem, was wir sind und können, auch uns hinein zu wagen. Wir wissen etwas, ganz sicher, alle materiellen Dinge sind relativ. Wo es ernst wird in deinem Leben, kannst du bauen allein auf Glaube, Hoffnung und Liebe. Was ich festhalten will an vergänglichem Materiellem, der ist wie ein Kind, das Sandburgen baut am Flutsaum. Und das Kind tut es, weil es das lernen soll, so wird es sein: die nächste Flut, die nächste Welle spült es weg. Am nächsten Tag kannst du ihr Spiel fortsetzen, aber was wärest du wenn du es ewig tätest, nicht klug wirst, nicht weise, dass du dich lösen musst immer wieder von Materiellem, um frei zu werden. Gott, du allein, sollst mein Herze haben.

Auf dass du mutig bist und frei wirst hinüber zu gehen; dorthin wo das Leben klingt wie eine Liebeserklärung, wo wir sehen, wie die Schöpfung uns einlädt zu allen Wundern.

Wir werden gleich hören aus der Kantate „Gott soll allein mein Herze haben“, wird uns der Chor singen „Du süße Lieb‘, schenk uns deine Gunst“

Bevor gleich die Musik erklingt, schaut einfach nochmal in diesem Raum herum. Dieser Raum ist 800 Jahre alt. Vor 800 Jahren haben Menschen das hier gebaut unter unvorstellbaren Ausgangsbedingungen. Sie haben es gebaut voller Glaube, Hoffnung und Liebe. Der Satz „Sie haben uns nicht gekannt, aber sie haben schon an uns gedacht“. Sie haben gehofft, dass sich Menschen Jahrhunderte später hier wiederfinden. Wir sind da. Auf dass es uns einlädt, selber Menschen zu werden, die bereit werden, wie diese Menschen, die diese Kirche gebaut haben und dafür viel gegeben haben, an der rechten Stelle loszulassen, um Impulse zu setzen, wo noch Jahre, Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte nach uns, Menschen dankbar sagen, „gut, dass es dich gegeben hat“. Denn darin behüte und bewahre der Friede Gottes, der höher als alle Vernunft ist, unsere Herzen und Sinnen, in Christus Jesus, der da ewig lebt, unserem Herrn,

Amen. 

 

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