Pastor Reimann geht in dreimonatige Sabbatzeit

01. Januar 2015

„Stille von Zeit zu Zeit ist für den Menschen wichtiger als Essen und Trinken.“ Fjodor Dostojewski 

In den ersten Kapiteln der Bibel heißt es, dass Gott die Welt in sechs großen Abschnitten schuf, an sechs Tagen. Am siebenten Tag ruhte Gott. Daraus begründeten die Menschen ihr Recht, ja sogar ihre religiöse Pflicht, am siebenten Tag der Woche ganz bei sich und den Liebesten sein zu dürfen, und bei Gott. Alle sieben Jahre wurde ein besonderes Sabbatjahr gefeiert, und nach sieben Sabbatjahren ein besonders Jubeljahr, ein Erlassjahr. Diese Zeiten der Ruhe sind uns inzwischen ziemlich verlorengegangen. Kein Wunder, dass viele Menschen unter Überarbeitung und Burn-out leiden. Seit einigen Jahren wird von vielen Arbeitgebern daher darauf geachtet, dass es eine gewisse Balance zwischen Arbeit und Freizeit mit Familie und Freunden gibt, wenigstens im Jahresverlauf. Grund war die Erkenntnis, dass nicht so sehr die Belastung den Menschen krank oder unglücklich macht, sondern der Wegfall von Erholung. 

So hat auch die Nordkirche eine Möglichkeit für Pastoren geschaffen, eine Sabbatzeit zu machen. Ein dreimonatiges Sabbatical soll dazu dienen, etwas für Gesundheit, Geist oder Seele zu tun, wozu sonst im Berufsalltag keine Zeit ist. Mit Personalberater, Propst und Landeskirche wird der Inhalt abgestimmt. Unser Kirchengemeinderat hat mir die Zeit vom 1.1.2015 bis 31.3.2015 genehmigt. Ich werde zunächst nach Nepal fliegen, um in einem tibetischen Kloster Meditation zu erlernen. Anschließend will ich versuchen, mit anderen Menschen in einer Lebensgemeinschaft auf La Gomera das Erfahrene in den Alltag zu integrieren. Dort werden die erlernten Mediationstechniken vertieft und durch Yoga und lange Wanderungen ergänzt. 

Auch wenn die Zeit von Januar bis März eine ruhige Zeit auf Sylt ist, gab es doch vieles zu bedenken und zu regeln, was in dieser Zeit sonst geplant und durchgeführt wird. Pastor Holger Asmussen aus Leck wird in der Zeit mit halber Stelle die Vertretung in unserer Gemeinde sein. Manches wird durch Ehrenamtliche begleitet, einiges kann in dieser Zeit nicht in gewohntem Umfang stattfinden. 

Aber in jedem Fall ist Pastorin Zingel, besonders in seelsorgerlicher Begleitung, für Sie da. Das Kirchenbüro von St. Severin in Keitum wird die Anliegen bearbeiten, die sonst bei mir ankommen. 

Ich bin dankbar für alle, die mich in Vorbereitung und Umsetzung der Vertretungszeit während des Sabbaticals unterstützen und freue mich sehr nach dieser besonderen Zeit ab Ostern mit vielen neuen Impulsen wieder in die Gemeinde zurückzukommen.

JÖRG REIMANN