Grabsteinrestaurierung und der „Tag auf dem Keitumer Friedhof“

15. September 2013

Im letzten Jahr wurden die Grabplatten am Nordwall auf dem Keitumer Friedhof saniert. Schon damals sagten die Restauratoren aus dem Team von Stephanie Silligmann: „Um die Grabplatten an der Südseite vor der Kirche müsst Ihr Euch aber auch dringend kümmern."

Dadurch, dass die wertvollen Steine direkt am Weg ins Erdreich eingelassen waren, wurden sie immer wieder von Menschen betreten. Die Feuchtigkeit des Bodens war in die Steine eingedrungen und konnte aufgrund einer hydrophoben Oberflächenbehandlung in den 90er Jahren nicht mehr entweichen. Als Folge hatten sich aggressive Flechten auf den Steinen ausgebreitet und zersetzten die Oberfläche. Bald waren sich alle einig, dass die Steine unbedingt erhalten werden müssen und dass ein weiterer Winter den Zustand noch einmal verschlechtern würde.

Nachdem der Förderkreis von St. Severin dankenswerterweise zugesagt hatte, dieses Projekt zu fördern und das Landeskirchenamt und das Denkmalpflegeamt die Maßnahme als dringend erforderlich einstuften, konnte der Kirchengemeinderat den Auftrag an das Team von Frau Silligmann vergeben, das vom 10. bis 17. September auf die Insel kam.

Nach der Sanierung konnten die Grabsteine nicht wieder an den alten Ort gebracht werden, da sie dort wieder Schaden nehmen würden. Beraten von den Denkmalpflegern wird zurzeit an einem Konzept für einen „Weg der historischen Steine" gearbeitet. Der Landschaftsarchitekt und Gutachter Herr Muhs, der auch für den Friedhof auf Amrum die Pläne erstellte, wird dazu Vorschläge unterbreiten und Beratung anbieten. Bis das Konzept fertiggestellt ist und umgesetzt werden kann, wurden die historischen Grabplatten zwar provisorisch an vorübergehendem Ort,aber fachgerecht im Nordteil des Friedhofs aufgestellt. Sie haben jetzt keinen Kontakt mehr zum Erdreich und das Regenwasser kann abfließen.

Während das Restauratorenteam bei uns war, wurde am Sonntag, den 15. September der „Tag auf dem Keitumer Friedhof" begangen. Nach dem Gottesdienst, in dem die neuen Friedhofsmitarbeiter Heinz-Peter Lipp und Thomas Jessen eingeführt wurden, folgte ein Tag mit einem vielfältigen Programm.

Von 11 bis 16 Uhr fanden Kirchen- und Friedhofsführungen im Wechsel statt, Hamburger Volkskunde-Studentinnen berichteten über ihre Forschungsarbeiten zum Keitumer Friedhof, Oliver Strempler sang Lieder über Liebe und Tod, Herzeleide Stökl begleitete uns bei unbekannten Chorälen zum Thema ‚Tod und Ewigkeit'. Die Friedhofsmitarbeiter standen für Gespräche bereit und das Restauratorenteam ließ sich bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.

Viele Gespräche wurden dabei geführt über ein Thema, das sonst nicht leicht angesprochen wird. Unser Friedhof ist wie unsere Kirche ein besonders kraftvoller Ort. Hier fällt es leicht, über ein Thema zu sprechen, das sonst allzu oft verschwiegen wird. Aber das wäre schade, denn wer der Realität des Todes nicht ausweicht, kann mutig sehr lebendige Erfahrungen sammeln.