Christian Nielsens Wirken auf dem Keitumer Friedhof

21. Januar 2013
Bedenkt man wie sehr Wind und Regen und Kälte dem weichen Sandstein zusetzen können, dann ist es ein mittleres Wunder, dass die historischen Grabsteine uns durch die Jahrhunderte hindurch überhaupt erhalten geblieben sind. Am Anfang haben Angehörige und dann mehr und mehr fremde Menschen geholfen, diesen Ort der Erinnerung zu bewahren. Viele Menschen müssen es sein, die je zu ihrer Zeit am Erhalt der Grabsteine mitgewirkt haben.

Besonders verdient gemacht hat sich dabei in jüngster Zeit der Westerländer Malermeister Christian Nielsen. Kirchen und Friedhöfe haben ihn schon immer fasziniert. Spuren seines Wirkens sind in fast allen Sylter Kirchen zu finden. Er schrieb mit feiner goldener Schrift die Pastorentafeln fort und erstellte für die Lister Kirche eine ganz neue Pastorentafel. Als die Kirchenkonzerte immer mehr Besucher anzogen und die Plätze zugeteilt werden mussten, nummerierte Christian Nielsen mit geübtem Schwung Sitzplätze und Bankreihen in der Nikolaikirche in Westerland und in St. Severin in Keitum. Schmunzelnd meinte er dabei zum Westerländer Pastor: „Als Protestant bin ich hier reingegangen und als Katholik komme ich am Ende wieder heraus.“ Als der Pastor fragte, warum das denn so sei?, antwortete Christian Nielsen: „Na, weil ich so viel in der Bank gekniet habe.“

Christian Nielsen versteht sich nicht nur auf kalligraphische Schriften und Ornamente im Innenraum, genauso meisterlich konnte er Steininschriften an Häusern und Gedenksteinen wieder instand setzen. Es war im Jahr 2003, da war Christian Nielsen schon im Ruhestand, als er Pastor Traugott Giesen anbot, die historischen Grabsteine auf dem Keitumer Friedhof zu sanieren. Nur zu gern nahm Pastor Giesen dies Angebot an, denn alle Steine waren in einem katastrophalen Zustand. Ausgewaschen und unleserlich die Schrift, die Oberflächen angegriffen und vermoost. Zusammen mit seinem Assistenten Aziz Rezaii arbeitete Christian Nielsen viele Tage und Wochen. Eine kleine Werkstatt wurde in der Friedhofskapelle eingerichtet, aber die meiste Zeit lagen beide auf den Knien vor den Steinen. In der Erinnerung schien dabei immer die Sonne. Eine tiefe Freundschaft verbindet seitdem die beiden Männer. Ihr Grund wurde gelegt durch die langen Gesprächen vor der steingewordenen Erinnerung an Lebensschicksal, Trauer und eine Hoffnung stärker als der Tod.

Der Keitumer Kirchenvorstand verlieh Christian Nielsen damals die nur in wenigen Exemplaren existierende St. Severin Medaille. Traugott Giesen dankte für die Rettung der kostbaren Grabsteine mit den Worten: „Das Festhalten der Namen und Zeichen ist ein Bauen von Heimat.“ 

Christian Nielsen forschte auch in den Kirchenbüchern und hat eine umfassende Dokumentation der Lebensgeschichten erstellt. Im Januar übergab er Pastorin Susanne Zingel diese Dokumentation für das Archiv der Gemeinde. Der Kirchengemeinderat freut sich sehr, dass dieser Schatz der Erinnerung nun hier zu finden ist. Er kommt gerade zur rechten Zeit, denn in diesem Jahr forschen Studenten und Studentinnen der Volkskunde von der Hamburger Universität auf unserem Friedhof. Sie werden eifrig Christian Nielsen Dokumentation nutzen. 

Christian Nielsen