Fahrt des Kirchengemeinderats nach Köln

10. Januar 2013

Unsere Kirche ist nach Severin, dem 3. Bischof von Köln benannt. Er lebte und wirkte im 4. Jahrhundert. Als Schutzpatron wurde er in Keitum erst 1000 Jahre später eingeführt. Dies ist ein Hinweis auf den regen Austausch zwischen den Friesen und dem Rheinland. Mit Schiffen ging es damals rheinaufwärts und über das Meer wieder zurück. Bis heute gibt es eine Verbindung zwischen Köln und Keitum. Der Kirchengemeinderat hat mit einer Fahrt nach Köln daran angeknüpft.

Ende des Jahres erhielt der Kirchengemeinderat eine Einladung nach Köln ins Domforum. Vorausgegangen war ein Besuch der Leiterin des Kölner Domforums Karin Titz hier in Keitum. Sie verbrachte ihren Urlaub auf der Insel und war fasziniert von den früheren Verbindungen von Keitum nach Köln, und sah viele Verbindungen zwischen ihrer Arbeit im Domforum und unserer Arbeit hier auf der Insel. So lud sie den Kirchengemeinderat nach Köln ein: „Kommt und seht, welche Erfahrungen wir mit Gemeinde und Gästen gemacht haben."

Relativ spontan und mit dem Nachtzug machten wir uns am 10. Januar auf den Weg, ein verlängertes Wochenende in Köln zu erleben.

Wir lernten die Arbeit des Domforums kennen. 20.000 Gäste am Tag besuchen den Kölner Dom. Das Forum gegenüber von dem Dom ist ein offenes Foyer. Hier gibt es Informationen, Gelegenheit zum Gespräch einen Film über den Kölner Dom, oder einfach nur eine Tasse Kaffee. Am Tag viele Touristen, am Abend erlebten wir ein Rockkonzert, das Domforum ist wirklich ein offenes Forum, wo fast alles möglich ist.

Ein kleines Stück weiter in der Schildergasse lernten wir die Antonitergemeinde kennen. Die evangelische Innenstadtgemeinde mit schlichter Würde, kostbaren Barlachfiguren, einem Kirchenhüterteam und einem engagierten jungen Pastor, hat es sich genauso wie das Domforum zur Aufgabe gemacht, Menschen die Gelegenheit zu geben, für einen Augenblick aus dem Treiben der großen Stadt herauszutreten und anzukommen in einem heilsam stillem Ort bei Gott.

All diese Projekte fielen nicht vom Himmel. Im Domforum und in der Antonitergemeinde wurde viel nachgedacht und beraten, bevor Räume gebaut, saniert und mit Leben gefüllt wurden. Unser Kirchengemeinderat hatte die Gelegenheit mit den Beratern dieser Einrichtungen für ein paar Stunden zusammen zu arbeiten. Wir schilderten unsere Situation hier auf der Insel in der Spannung von Einheimischen und Gästen mit aller Belastung, aber auch den Chancen, die darin liegen.

Im Süden der Altstadt gibt es das Severinsviertel mit der Severinskirche. Dort machten wir unserem Namenspatron eine Aufwartung. Die Kirche ist wie unsere Inselkirche aus dem 12. Jahrhundert. Aber durch die Krypta geht es hinunter in frühchristliche Zeiten. Die alten Schichten wurden von Archäologen wieder freigelegt und wurden zugänglich gemacht. So standen wir in den Grundmauern einer Kirche aus dem 4. Jahrhundert mit dem Altar, an dem Bischof Severin wirkte und an seinem Grab zwischen römischen Sarkophagen.

Ein Besuch an diesem Ort war der Kontrapunkt zu all den guten Gesprächen, die wir in diesen Tagen führen konnten. Hier unten war ein Stück Ewigkeit spürbar, eine Verbundenheit mit Vätern und Müttern im Glauben weit vor unserer Zeit und eine gemeinsame Berufung, der Botschaft Gottes auf die Welt zu helfen.

Wir haben an diesem Wochenende eine Zeitenreise gemacht und eine wunderbare ökumenische Begegnung erlebt. Wir haben gelernt, nichts lässt sich von einem Ort zum anderen einfach übertragen und übernehmen. Aber an jedem Ort brauchen Menschen Anregungen, Impulse und das Gespräch. So hoffen wir, dass die Verbindung nach Köln weiter befördert werden kann und dass an diesem Wochenende der Anfang einer hoffentlich langen Freundschaft gesetzt wurde.

 

Björn Christiansen:

Die Fahrt des Kirchengemeinderates nach Köln hatte den Vorteil neben dem Kennenlernen anderer protestantischer und katholischer Gemeinden und deren Ideen zur Gemeindearbeit auch mal Gespräche mit den eigenen Kirchengemeinderatsmitgliedern außerhalb der sonstigen Tagesordnung ohne terminliche Verpflichtungen führen zu können. 

 

Ellen Ipsen-Hansen:

Den Kölner Dom in seiner atemberaubenden Größe fand ich beeindruckend. Noch beeindruckender fand ich jedoch die Freundlichkeit und das Engagement von Karin Titz. 

 

Christine Suhl:

Was mich an unserer Kölnfahrt sehr beeindruckt hat, ist die Tatsache, wie mit den Verstorbenen umgegangen wird, die niemanden mehr haben.  Sie alle bekommen eine gemeinsame Trauerfeier und ihre Namen werden in einem Buch in der Kirche öffentlich ausgestellt, eine Kerze brennt daneben. Das wird jährlich abwechselnd von der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde gemacht. Am Ende des Jahres wird das Buch mit den Namen in einer Prozession, von der einen Kirche zur anderen gebracht. Das finde ich sehr würdevoll.  Mich macht nur sehr betroffen, wie viele Menschen in so einer großen Stadt niemanden mehr haben, der sich um diesen letzten Abschied kümmert.

 

Sven Paech:

Das Kölnwochenende habe ich förmlich in mich aufgesogen. Die vielen Stätten, aber auch die tollen Menschen, die wir kennenlernen durften, lassen sich kaum zusammenfassen. Vielleicht am ehesten so: „Eine runde stimmige Sache. Freude auf den Gegenbesuch.“

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