Gemeindefahrt nach Israel und Palästina

16. März 2012

Bericht über die Gemeindefahrt nach Israel und Palästina von Rolf Petzel

Wie anders klingt die Osterliturgie, wenn man im Garten Gethsemane die jetzt 2.000 Jahre alten Olivenbäume gesehen hat, unter denen Jesus zu seinem Vater gefleht hat? Wie hört man die Worte neu, nachdem man in der Grabeskirche selbst gebetet hat? Manche Legende und Überlieferung der folgenden Jahrhunderte erscheinen skurril: Erstaunlich, dass der Schädel des Adam in einer Höhle unter dem Kreuz gefunden wurde. Es mag sein, dass das Kreuz nicht genau hier stand. Und die Streitereien zwischen den Konfessionen, die sich die Grabeskirche in Jerusalem und die Geburtskirche in Bethlehem teilen, erschweren manchmal die Besinnung auf die Heiligkeit des Ortes. Aber all das ändert nichts daran, dass hierher seit Jahrhunderten Christen aus der ganzen Welt pilgern, um auf den Spuren Jesu zu wandeln. Und diese Orte atmen den Glauben all dieser Pilger, ihm hier zu begegnen so stark, dass es nicht darauf ankommt, ob er genau hier auferstanden ist, oder vielleicht drei Blocks weiter.

Von diesen heiligen Orten ließen sich im März 22 Sylter Gemeindemitglieder und Freunde mit Pastor Reimann für 10 Tage einnehmen. Wir folgten Jesu Spuren von der Geburt bis zur Auferstehung. Von Bethlehem über die Taufe am Jordan, seine Versuchung durch den Teufel in Jericho, die Berufung der ersten Jünger, die Bergpredigt und die Speisung der 5.000 am See Genezareth führte die Reise bis nach Jerusalem. Neben der Begegnung mit dem neuen Testament trafen wir auch auf das alte Testament und den Koran, auf Judentum und Islam in Israel und Palästina. Wir nahmen an einem Gottesdienst in einer Synagoge teil und besuchten die Moschee in Hebron, die über Abrahams Grab errichtet ist.

Die Geschichte des Volkes Israel und die Verfolgung der Juden von den Römern bis zur Schoah in Deutschland, die in der Gedenkstätte Yad Vashem sehr gegenwärtig ist, prägen den Staat Israel und sein Verhalten im besetzten Palästina. Manches lässt sich vor diesem historischen Hintergrund verstehen. Dennoch schmerzt es, zu sehen, wie unversöhnlich Israelis und Palästinenser einander heute vielfach begegnen. Da tun die kleinen Wunder gut: Wenn der Leiter der Abrahamsherberge von Begegnungen zwischen Juden, Moslems und Christen berichtet, die er organisiert, inspiriert von Martin Bubers "Das Glück des einen Volkes hängt vom Glück des anderen Volkes ab."

Und als wir nach unserer Rückkehr Ostern feierten, hatte jeder Mitreisende neue, konkrete Bilder vor Augen, von Passion, Kreuzigung und Auferstehung. Vielleicht übersetzt mancher nun auch die Osterbotschaft von der Versöhnung so, wie wir es in den besetzten Gebieten auch gehört haben: "Wir weigern uns, Feinde zu sein."