Wie geht es ohne Heike in der Gemeinde weiter?

15. Mai 2012

Ein persönlicher Ausblick von Pastor Jörg Reimann.

Wir haben das Unvorstellbare im Urlaub erlebt, von einem Moment auf den anderen ist Heike nicht mehr da. Der nächste Tag beginnt, und es alles ist genau wie es vorher war. Und doch ist nichts, wie es vorher war. Unvorstellbar, aber war für mich aber auch die Hilfsbereitschaft, die schon begann als ich mit meinen Kindern den letzten Zug auf die Insel nahm und schon im Zug unterstützt und aufgefangen wurde. Am nächsten Tag schon kamen 14 Besucher und vom ersten Gespräch an wurde mir Hilfe und Unterstützung persönlich oder für die Gemeindearbeit oder direkt gleich Aufgaben übernommen.

Susanne Zingel hat großes getan in der Zeit, alle angerufen und dann in Andacht und Gebet die Trauer geteilt. Propst Dr. Bronk war gleich am Montag auf Sylt und überbrachte mir die Nachricht, dass der Kirchenvorstand und der Kirchenkreisvorstand mir sofort das Vertrauen ausgesprochen haben, verbunden mit der Bitte die Arbeit auf Sylt fortzusetzen.

Das möchte ich gern tun. Vier Jahre waren wir als Vikare in Westerland und 10 Jahre als Pastoren an St. Severin. Nie haben wir in unserer fast 25-jährigen Ehe gemeinsam länger an einem Ort gelebt und so ist uns Sylt mit den Menschen hier Heimat geworden.

Einen großen Dank möchte ich sagen an alle, die daran mitgewirkt haben, dass wir so würdig Abschied nehmen konnten im Gottesdienst mit dem Chor und mit der Anwesenheit der Pastorenkollegen, Propst und Bischof. Das hat mich sehr gestärkt. Kirchliche Beileidsbekundungen kamen sogar aus Indien, Palästina und von Teneriffa und Kreta.

Eine Freundin von Heike, die mit ihr in Kiel das Studium und die Wohnung geteilt hat, erinnerte uns daran, dass Heike schon damals nie Angst hatte vor dem Tod. Vielleicht konnte sie deshalb auch so leicht hinübergehen. Das Licht der aufgehenden Sonne mit seiner Stärke und Kraft durchbricht die Traurigkeit. Ostern haben wir in Tinnum unsere Traurigkeit mit schwarzen Bändern ans Kreuz gebracht und dann das Kreuz mit Blumen geschmückt. Die Trauerflore waren dann nicht weg, aber die Kraft des bunten Lebens war stärker. Das soll ein Bild auch für die Gemeindearbeit hier sein. Ich werde zunächst auf 75% weiter arbeiten. Für Urlaubs- und Krankheitszeiten hat der Kirchenkreis Unterstützung zugesagt. Heike wird uns überall fehlen. Aber Manchen sind schon neue Kräfte zugewachsen, um Arbeiten zu übernehmen, die Heike vorher gemacht hat. Sicher wird auch einiges ohne ihre persönliche Prägung nicht mehr sein. Vieles haben wir aber auch von Heike in uns und mit Gottes Hilfe können damit hier weiter leben und arbeiten und sogar Neues beginnen.