Pastorin Heike Reimann verstirbt auf Kreta

07. Januar 2012

 

Du bist nicht tot, sondern nur untergegangen wie die Sonne. Wir trauern nicht über eine, die gestorben ist, sondern wie über eine, die sich vor uns verborgen hält. Nicht unter den Toten suchen wir dich, sondern unter den Seligen des Himmels.  Theodoret von Kyros

An paradiesisch schönem Ort hat für unsere  Freundin, unsere vertraute Weggefährtin, unsere Pastorin der Weg in Gottes Ewigkeit begonnen. Mit großer Traurigkeit bleiben wir zurück und nehmen Abschied von

 

Heike Reimann

30.05.1963 - 07.01.2012

 

Mit Herz und Seele war sie unsere Pastorin. Jedes Wort, das sie predigte, spiegelte sich in ihrem Tun. Ihr Glaube hat uns ermutigt. Ihre liebevolle Menschlichkeit hat uns gewärmt. Ihre Begeisterung, dem Miteinander ein Zuhause zu geben, hat uns beflügelt. Unser tiefes Mitgefühl gilt ihrer Familie. Mögen wir einander so beistehen können, wie sie für uns da war.

Der Kirchenvorstand und die Mitarbeiter von St. Severin

Nachruf für Pastorin Heike Reimann

Für nur eine Woche war Heike Reimann mit ihrer Familie nach Kreta, auf „ihre Insel" gereist. Weihnachten und Silvester waren gefeiert, das neue Jahr hatte begonnen. „Wollt ihr wirklich für die kurze Zeit, so eine weite Reise auf Euch nehmen," fragte ich Heike und sie strahlte: „Dort zu sein, ist für uns wie das Himmelreich auf Erden."

Und so ist sie losgefahren voller Freude auf Freiraum, voller Vertrauen auf Erholung, die sie gestärkt zurückkehren ließe zu den vielfältigen Aufgaben, die sie hier erwartet hätten.

Dort auf Kreta haben sie gemeinsam ausgespannt und die Zeit genossen. Aber als es wieder soweit war, die Koffer zu packen, sich auf den Heimweg zu machen, ist ihr Herz von einem Augenblick zum anderen einfach stehen geblieben. Sie ist einfach gegangen. Zurück bleiben ihr Mann Pastor Jörg Reimann und ihre Töchter Lisa Madita, Jana Lena und Anna Christina und wir alle als ihre St. Severingemeinde.

Im Juni hätten wir ihr gemeinsames 10 jähriges Jubiläum feiern können – 10 Jahre war Heike Reimann hier Pastorin ist aus der Gemeinde und dem Pastorenteam nicht wegzudenken.

„Manchmal wirst du zum Licht: Licht sein, das heißt, anderen zu einem Lichtblick zu verhelfen, neue Hoffnung wecken. Einen Wunsch erfüllen. Eine Wohnung besorgen. Eine Chance geben. Zeit haben. Jemanden anhören. Einen Ängstlichen ermutigen. Einen Traurigen trösten. Für jemanden beten und niemanden aufgeben. Wo immer dies geschieht, wird Licht."

So predigte Heike Reimann im Gottesdienst in St. Severin am Heiligabend. Und so wirkte sie in der Gemeinde. Sie konnte Menschen in Not zuhören, sie konnte Trauernde trösten und tatkräftig helfen. Mehr als einmal nahm sie Hinterbliebene im Tinnumer Pastorat auf.

Jedes Treffen, jedes Gemeindefrühstück, jeder Gottesdienst für Große und Kleine; sie verwandelte kleine und große Anlässe zu einem Stück Himmelreich auf Erden. Sie gab anderen das sichere Gefühl: „Ihr seid willkommen, du bist willkommen, ich freue mich über dich, ich habe für dich den Tisch gedeckt." So einfach und klar hat Heike das Evangelium verstanden und gelebt!

Dabei konnte man sich stets wundern und fragen: ‚Wie ist das möglich, wie schafft diese Frau das alles?' Heike Reimann traute ihrer Intuition, das half ihr, sich schnell und präzise zu entscheiden. Sie ging nie allein, sie suchte sich immer Verbündete. Und dazu nutzte sie die Zeit. Um fünf Uhr morgens saß sie schon oft am Schreibtisch. Wenn alles noch schlief, ordnete sie ihre Gedanken, machte einen Plan für den Tag und war damit all den anderen ein Stück voraus. Das war von Anfang an so. Von Anfang an war Heike Reimann, geb. Bartels ihrer Zeit voraus.

Geboren und aufgewachsen in Stadthagen kam sie aus Schaumburg Lippe und damit aus einer Landeskirche, wo als in ihr als Jugendliche der Wunsch reifte, Pastorin zu werden, die Frauenordination noch nicht zugelassen war. „Hier geht es nicht, aber es wird sich ein Weg finden, denn es ist meine Berufung" sagte sich Heike Reimann und fing an, in Kiel Theologie zu studieren. Mit dem Bibelvers: „Alles ist möglich, dem der da glaubt." hat sie angefangen und ihren Weg gemeistert.

Dazu lernte sie in Kiel ihren Mann Jörg kennen. Gemeinsam gingen sie nach Heidelberg, studierten weiter und als in ihrer Heimatkirche Schaumburg Lippe die Frauenordination eingeführt wurde, begann sie nach ihrem 1. Theologischen Examen hier auf Sylt in der Westerländer Kirchengemeinde ihr Vikariat.

Mit ihren Töchtern Anna Christina und Jana Lena gingen sie danach als kleine Familie 1995 auf ihre erste gemeinsame Pfarrstelle in Niendorf an der Stecknitz im Kreis Herzogtum Lauenburg. Dort wurde ihre dritte Tochter Lisa Madita geboren. In gleich drei Dörfern begleitete sie die Menschen seelsorgerlich und gestaltete schöne Gottesdienste. Dazu gehörte für sie die Arbeit in der Krabbelgruppe, dem Frauenkreis, mit Senioren und einer Kirchenband. Mit viel Engagement konnte Sie die Renovierung der baufälligen 1581 erbauten St. Anna Kirche erreichen.

Dann lockte die Insel und die freie Tinnumer Stelle der Kirchengemeinde St. Severin sie wieder 2002 nach Sylt zurückzukommen. Mit Liebe und Feingefühl baute sie den Frauenkreis und das Gemeindefrühstück auf. Sie besuchte Geburtstagskinder, gestaltete Gottesdienste in St. Severin genauso wie im Seniorenheim, auf der Ponywiese oder am Strand. Wie viele Kinder hat sie getauft, wie viele Ehen gesegnet und Trauernde begleitet?

Auch hier auf der Insel war sie ihrer Zeit voraus. Es ging ihr nahe, sie nahm es sich wirklich zu Herzen, dass Familien die Insel verlassen müssen, oder hier in beengten Verhältnissen ihre liebe Not haben, miteinander zurecht zu kommen. Daraus entstand die Idee für das geosolare Mehrgenerationenhaus in Tinnum, das St. Severinhaus. Sie hat mit ihrem Team bewiesen, dass wir zusammen aus vagen Träumen und unbestimmter Sehnsucht klare Ziele formulieren und auch umsetzen können. Sie begeisterte sich und andere von der Idee, die äußere Energie der Sonne mit der inneren Energie der Menschen zu verknüpfen und so zur Bewahrung der Schöpfung und zum Wohle der Menschen beizutragen.

Zwei Engel stehen vor dem Tinnumer Pastorat im Kampende. Arm in Arm stehen sie eng verbunden da und sind doch zwei Personen. So waren Heike und Jörg Reimann zusammen in der Gemeinde engagiert. Zwei, die fest zusammen stehen und doch jeder mit einer eigenen Kraft unterwegs sind.

Engel waren stets Heikes treue Begleiter. In ihrem Haus sind sie allüberall zu finden. Ungezählte Engelkarten hat sie geschrieben und verschickt. Engel beschreiben die Grenze, wo Himmel und Erde sich berühren, wo das Mitmenschliche durchscheinend für das Ewige, das Göttliche wird. Auf genau dieser Grenze war Heike zu finden. Auf dieser Grenze schauen wir ihr hinterher – voller Dankbarkeit, dass sie da war und voller Trauer, dass sie gehen musste.

Pastorin Susanne Zingel